Auf Wachstum angelegt

Die Landwirtschaft Aserbaidschans zeichnet sich neben ihrer Vielfalt durch bemerkenswerte Wachstumsraten aus. Schon zwei Vergleiche zeigen das: 2004 erzielte man gegenüber 2003 einen Zuwachs von 5,6 %, 2009 steigerte man sich bereits um 6,7 %, verglichen mit 2008.

Pflanzenproduktion und Nutztierhaltung sind die beiden Säulen der aserbaidschanischen Landwirtschaft. Vorwiegend angebaut werden Weizen, Baumwolle, Gemüse, Kartoffeln, Wein und Tabak. Hinzu kommen weitere Getreide wie Gerste, Roggen und Hafer, Körnermais, Hirse, Reis, Hülsenfrüchte, Obst, Beeren, Nüsse, Tee, Oliven und Futterpflanzen. In der Nutztierhaltung werden hauptsächlich Rinder, Schafe und Geflügel gezüchtet und Milcherzeugnisse produziert. Ebenso zur Tradition zählt die Seidenraupenzucht.

Eindrucksvoller Export

Die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse ließ sich in den letzten Jahren deutlich steigern. Belief sich das nach US-Dollar bezifferte Exportvolumen 2004 noch auf 41,0 Mill., so waren es 2008 bereits 145,1 und 2009 schon 162,8 Mill. Eine weitere Steigerung folgte 2010 mit 215,7 Mill. Hauptexportländer sind u.a. Russland, Ukraine, Georgien, Weißrussland, Deutschland, Polen, Türkei, Italien, USA, Großbritannien und Iran.

Die Exportstärke Aserbaidschans zeigt sich auch im Verhältnis von Gesamtproduktion zur Auslands- und Inlandsnachfrage, z.B. beim Obst. 2010 umfasste die Produktion 729.3000* Tonnen. 375.300* Tonnen deckten die Inland-Nachfrage ab, 178.600 Tonnen* wurden exportiert.

Ein weiteres Beispiel ist der Tabakanbau. Schon während der Sowjetära wurden jährlich 45.000 bis 65.000 Tonnen Tabak produziert, 35.000 bis 40.000 Tonnen wurden exportiert. Heute erzielen 6 Tabakfermentierungsfabriken einen Output von 48.000 Tonnen. 10 Milliarden Zigaretten werden von der European Tobacco Baku LLC jährlich produziert.

Bei der Produktion von Nüssen und Haselnüssen ist mit einer weiteren Zunahme des Exports zu rechnen. Die Anbauflächen erstrecken sich aktuell auf über 27.000 Hektar. Jährlich kommen 410 bis 580 Hektar an Anbauflächen hinzu. Das derzeitige Exportvolumen von 7.000 bis 10.000 Tonnen kann somit gesteigert werden.

Fortsetzung erfolgreichen Weinanbaus

Der Weinanbau geht auf die Emigration der Schwaben nach Aserbaidschan Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Als der bekannteste Weinhändler gilt Christoph Vohrer (1827-1916). Seine Nachfahren perfektionierten den Weinanbau durch den Einsatz modernster Methoden. An vier verschiedenen Standorten ließen die Vohrers riesige, bis zu drei Stockwerke tiefe Kellereien erstellen. Um 1900 war schließlich das Angebot des Helenendorfer Weinhandels in Aserbaidschan so vielschichtig, dass damit ein Großteil des russischen Marktes abgedeckt werden konnte. Aus Basis dieser erfolgreichen Tradition wird auch heute der Weinanbau in Aserbaidschan mit großem Engagement betrieben. Momentan sind 30 Firmen in der Weinherstellung aktiv. Rund 1 Million Deziliter pro Jahr sind für den Konsum im Inland bestimmt. Geplant ist, bis 2015 die Weinproduktion auf 3 Millionen Deziliter zu steigern. Ein Teil dieser Menge ist für den Export vorgesehen.