Reich an Kontrasten

Halbwüste und Zitrusplantagen, Hochgebirge und Meeresküste: die aserbaidschanische Landschaft verfügt über jede Menge reizvolle Kontraste. Bedingt ist diese Vielfalt durch deutlich Höhenunterschiede: in Baku befindet man sich ca. 28 Meter unter, auf dem Gipfel des Bazardüzü im Kaukasus dagegen 4.466 Meter über dem Meeresspiegel. 

Gewaltiger Kaukasus 

Aserbaidschan ist, abgesehen von der Küstenregion im Osten, nahezu vollständig von Gebirgen umgeben. Bestimmend dafür ist der Kaukasus, der sich über Aserbaidschan, Russland, Georgien, Armenien und den Nordostteil der Türkei erstreckt und aus den drei Gebirgsketten Großer Kaukasus, Kleiner Kaukasus und Talysch-Gebirge besteht. Der östliche Teil des Großen Kaukasus reicht in Aserbaidschan von der Nordgrenze bis kurz vor Baku. Der Kleine Kaukasus befindet sich im Süden des Landes, das Talysch-Gebirge an der Grenze zum Iran. Alle Gebirgsketten bieten hervorragende Wandermöglichkeiten, wobei diese beim Kleinen Kaukasus, bedingt durch die Spannungen mit Armenien, begrenzter sind. Wer nicht ganz so hoch hinaus will, kann auch rund um Baku gut wandern, z.B. auf die bonbonhaften, rot-weißen Buckel bei Xizi oder den Pilgerberg Besbarmaq. 

Tipp für Bergtouristen 

Im Großen Kauskasus ist das Gebiet rund um den 4243 Meter hohen Shahdag, den Königsberg von Aserbaidschan, für Wanderer und Bergsteiger besonders attraktiv. Hier locken Wälder und Berge, umrahmt von Gletschern, tiefe Schluchten und Bergseen. Zudem entsteht gerade innerhalb des Shahdag National Parks ein Touristik-Komplex, der die bisherige Infrastruktur ergänzt und auch die Möglichkeiten für Skifahrer erheblich erweitert. 

Gewässer in vielfältigster Form 

Die Landfläche besteht zu 1,6 Prozent aus Wasser. Ein eindrucksvolles Reservoir ist beispielsweise durch die Stauung des aus der Türkei kommenden großen Stromes Kür entstanden. Es dient über weit verzweigte Kanäle zur Bewässerung der umliegenden Felder. Von bescheidenerer Größe sind hingegen die rund 1000 Flüsse, die sich in Aserbaidschan finden und die nicht schiffbar sind. Imposant und für Naturfreunde durchaus mehr als einen Blick wert ist der gewaltigste Wasserfall des Landes, der aus dem Kaukasus kommend nahe von Zaqatala in die Tiefe stürzt. Weitere Flächen nehmen die ca. 250 Seen ein – als der schönste gilt der Göygöl, der sich im Kleinen Kaukasus befindet. Ein optisches Erlebnis sind die salzhaltigen Wüstenseen, vorrangig auf der Halbinsel Abseron. Ausgetrocknet während des Sommers ähneln sie Landschaften aus Schnee, mit Wasser gefüllt dagegen wechseln sie, abhängig von Licht und Wetterlage, ihre Farbe. Die größte Wasserfläche Aserbaidschans ist natürlich das Kaspische Meer – ausreichend Platz zum Baden, Wassersport treiben und natürlich, um eine Bootstour zu unternehmen, z.B. in der Bucht von Baku. 

Naturschutz gefragt 

Aserbaidschan hat einen besonderen Reichtum an ursprünglichen Naturlandschaften vorzuweisen. Deren Schutz ist eine Aufgabe, die sehr ernst genommen wird. Entgegen dem Konzept der Trennung von Mensch und Natur, das während der Sowjetära realisiert wurde, setzt man mittlerweile auf den behutsamen Umgang mit der Natur in Form von Nationalparks. Geplant ist, mehr als 10% der Landesfläche entsprechend umzuwandeln. 8 Nationalparks gibt es bereits, weitere werden folgen. Einer davon ist der 2003 eröffnete Sirvan-Nationalpark – ein Steppenareal, in dem neben zahlreichen Vogelarten auch die Kropfgazelle zuhause ist. Die Parks verfügen in der Regel über ein Zentrum, in dem man Informationsmaterial erhält und Führungen buchen kann. Und sind gemeinsam mit anderen Schutzzonen ein wichtiger Beitrag zum angestrebten Öko-Tourismus. 

"Zu den merkwürdigsten Gegenden und zu den unbekannteren der alten Welt gehört der Kaukasus, der mit seinen langen schneebedeckten Rücken, Asien und Europa trennend, als Grenzscheide beider Welten dasteht."

Julius Klaproth 1807/08